Das Geschäft mit dem Schrecken.
Mit Katastrophenfilmern unterwegs.
Eine Reportage von Claus Hanischdörfer.
Sie sind überall da in Deutschland, wo es kracht und brennt. Blut, Schweiß und Tränen sind ihr Geschäft. In der Fernsehbranche nennt man sie Geier oder Bluthunde: Katastrophenfilmer.Täglich blicken sie durch das Schlüsselloch des Grauens. Sie leben vom Unglück anderer. Sie liefern den Fernsehnachrichten die spektakulären Bilder, und bedienen den Voyeur in jedem von uns, denn Bilder von Zerstörung und dem Schicksal anderer fesseln und berühren uns alle. Die ambivalente Faszination der Katastrophe.Obwohl fast nichts vor ihren Objektiven sicher ist, lassen sich die meisten Männer mit den Kameras nicht gerne bei der Arbeit beobachten. SWR-Autor Claus Hanischdörfer durfte mit seinem Team drei Katastrophenjägern bei Unfällen und Großbränden über die Schulter und in die Sucher schauen.Wolfgang Wiebold ist der Mann, der niemals schläft. Er gilt in Deutschland als der "Kamerabluthund Nummer Eins". Seit 30 Jahren ist er im Geschäft. Er lieferte die ersten Bilder im Gladbecker Geiseldrama oder beim Möllemann-Absturz. Er schlich sich im Mai 2000 als einziger Kameramann in das abgesperrte Gebiet von Enschede. Damals war bei der Explosion einer Feuerwerksfabrik in Enschede ein ganzes Wohnviertel verbrannt. Heute jagt der 53jährige noch immer jedem Feuerwehr- und Polizeieinsatz hinterher.Werner Schindler, der Mann ohne Illusionen. Der Katastrophenjäger aus dem Schwarzwald hat es nicht leicht. Wenig Einsätze, wenig verkaufte Bilder. Wie soll es für ihn weitergehen? Mittlerweile 50 Jahre alt, hat der Job für ihn seinen Reiz verloren. Amadeus Sartorius, der Geschäftstüchtige. Auf sein Konto geht das ICE-Unglück in Eschede. 32 Jahre alt und schon acht Jahre im Geschäft. Sein Informantennetzwerk im Großraum Hannover ist perfekt. Er verpasst keinen Unfall und keinen Großbrand. Ein Blick hinter die Kulissen des Geschäfts mit dem Schrecken. Hier heißen die Verkaufsschlager: Feuer und Tod.
Ein Film von Claus Hanischdörfer
Sie sind überall da in Deutschland, wo es kracht und brennt. Blut, Schweiß und Tränen sind ihr Geschäft. In der Fernsehbranche nennt man sie Geier oder Bluthunde: Katastrophenfilmer. Täglich blicken sie durch das Schlüsselloch des Grauens. Sie leben vom Unglück anderer. Sie liefern den Fernsehnachrichten die spektakulären Bilder, denn Bilder von Zerstörung und dem Schicksal anderer fesseln und berühren uns alle. Die ambivalente Faszination der Katastrophe. Obwohl fast nichts vor ihren Objektiven sicher ist, lassen sich die meisten Männer mit den Kameras nicht gerne bei der Arbeit beobachten. Autor Claus Hanischdörfer durfte mit seinem Team drei Katastrophenjägern bei Unfällen und Großbränden über die Schulter und in die Sucher schauen.
Der Mann, der niemals schläft
Wolfgang Wiebold ist der Mann, der niemals schläft. Seit 30 Jahren ist er im Geschäft. Er lieferte die ersten Bilder im Gladbecker Geiseldrama oder beim Möllemann-Absturz. Er schlich sich im Mai 2000 als einziger Kameramann in das abgesperrte Gebiet von Enschede. Damals war bei der Explosion einer Feuerwerksfabrik in Enschede ein ganzes Wohnviertel verbrannt. Heute jagt der 53-Jährige noch immer jedem Feuerwehr- und Polizeieinsatz hinterher. Er ist der bekannteste der Katastrophenfilmer, für ihn ist der Reiz des Abenteurs wichtig. Bei besonders grauenhaften Situationen denkt er weder an die Betroffenen, noch erlaubt er sich Emotionen. Er ermpfindet sich als Dokumentarist - wichtig ist das Bild, das er hoffentlich verkaufen wird. Seinen Kollegen rät er. "Befasst Euch nicht mit den Hintergründen der Geschichte!" In seinem Büro hat er in den letzten fünf Jahren ein Archiv von 1.400 Cassetten angesammelt
ZDF.reporter
Kampf um die besten Bilder:
Das harte Geschäft der Polizeireporter
Wenn Wolfgang Wiebold los muss, leiden andere. Er ist Bilderjäger und lebt von Unglücken. Er lebt von schrecklichen Aufnahmen, die sich gut verkaufen lassen.
08.12.2004 ZDF.reporter / ZDF.reportage:das magazin und die 30 minuten
08.12.04
Kampf um die besten Bilder.
Das Ruhrgebiet ist Wiebolds Revier: Fünfeinhalb Millionen Menschen leben hier. Immer wieder gibt es Unglücke, Unfälle, Verbrechen. Sein Geschäft ist es, das Grauen festzuhalten. Wiebold ist ein Bilderjäger, immer unterwegs nach dem aktuellen Schrecken.
Wiebold hat den Polizeifunk belauscht und dort von einem Unfall gehört. Auf der A40 bei Herne ist in der Ausfahrt ein Schwerlaster auf die Gegenfahrbahn gekippt und hat einen PKW unter sich begraben. Der Beifahrer im PKW ist sofort tot, dessen Kind wurde verletzt rausgeholt, seine Frau, die Fahrerin, ist noch im Wrack eingeschlossen. Das interessiert Wiebold. Er macht sich auf den Weg.
Schwerer Verkehrsunfall
Kampf um ein Menschenleben
Bluthund nennen sie ihn. Wiebold braucht immer das beste Bild. Die Frau, den Kampf der Helfer um ihr Leben, ihre Schmerzen, ihre Verletzungen. "Denken Sie an die Verletzte?", fragt ZDF.reporter Armin Coerper. "Ich denke an meine Bilder!", sagt Wiebold ohne zu zögern.
Schon im Auto auf der Rückfahrt beginnen die Verkaufsverhandlungen. Wiebold bietet sein Filmmaterial Fernsehredaktionen an und kann sie gut verkaufen. Zufrieden kehrt der Bilderjäger nach Hause zurück. Eine Freundin hat er nicht mehr, sie sind ihm alle weggelaufen. Grund: Sein Job.
Unbedingt der Erste sein
Nachts wird es schon wieder ernst. Ein Brand im Reha-Zentrum auf Schalke wird gemeldet. Sofort breitet sich Hektik aus. Wiebold will unbedingt der Erste sein, schneller als die anderen, die wie er die Bilder jagen. Und er will besser sein.
Der Brand interessiert auch die Fernsehsender. Sat1 und RTL hat Wiebold schon am Telefon. Das Frühstücksfernsehen hat Interesse. Seine Bilder hat er schnell gedreht. Er schickt sie von zu Hause per Datenleitung in die Studios. Doch die Konkurrenz hat auch geliefert. Wiebold fiebert: Wer hat das Rennen gemacht
Glücksmoment am Fernseschirm
Um sechs Uhr starten die Nachrichten. Wiebolds Bilder werden gesendet! Ein Glücksmoment für den Jäger der Katastrophen. Der Stress ist vergessen. Bis zum nächsten Unglück, das ihn im Ruhrgebiet lockt.
Reportage von Armin Coerper
Kamera: Bruno Trawinski
Schnitt: Carla Sperber
Sendetermin: Mittwoch, 8. Dezember 2004, bei ZDF.reporter
24 Stunden Reportage Sat 1
Sendetermin: Montag 11.4.05 - 22.15 Uhr
24 Stunden Sat.1-Reporter im Einsatz SPIEGEL TV-Reportage 24 Stunden Montag, 11. April 2005, 22.15 Uhr
Bluthund im Blaulicht – Polizeireporter Wolfgang W.
Seine Arbeit beginnt mit dem Unglück anderer: Wolfgang Wiebold ist Blaulichtreporter. Ein Mann auf der Jagd nach grausamen Bildern - blutende Menschen, zerfetzte Autos, Häuser in Flammen. Aufnahmen, die er Gewinn bringend verkauft. Bluthund nennen sie ihn, aber das stört Wiebold nicht. Emotionslos bietet er seine Bilder beim Sender an: ???Der Sportreporter gibt die Tore durch, ich die Zahl der Toten.“
Schießerei in Recklinghausen. Der Blaulichtreporter rast zum Tatort und hat nur eine Frage: ???Wo ist die Leiche?“ Gnadenlos hält er die Kamera auf das Geschehen, bis ein Polizist ihn stoppt. ???Egal, ich hab’ den Toten,“ sagt Wiebold und fährt zurück in sein Studio. Jetzt geht es um jede Sekunde: sichten, schneiden, verkaufen, schneller sein als die Konkurrenz. Geld bekommt er nur, wenn die Fernsehanstalten seine Bilder senden. Entsprechend groß ist der Druck, der auf ihm lastet.
Eine ???24 Stunden“-Reportage über einen Mann, der ständig unter Strom steht. Immer auf der Suche nach den Bildern des Grauens. Dem bisher noch jede Frau weglief und dessen einziger Freund ein Hund ist.
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Helga Hörnle
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